Das von vielen als alternative Kneipe angesehene „Black Inn” war lange Zeit einer der Szenetreffs in der Wetterau. Seit geraumer Zeit jedoch entpuppt sich das „Black Inn”, das scheinbar weiterhin den Anspruch hat vor allem Menschen aus der Gothic-Metal-Punkrock-Szene eine Plattform zu bieten, als stark von Neonazis frequentierte Kneipe/Disko. Heute ist es schon einmal vorgekommen, dass dutzende Neonazis mit entsprechender Kleidung à la Thor Steinar und Co den Laden für sich beanspruchen und bekannte AntifaschistInnen bedrohen. Das Tragen von „Good Night - Left Side” oder „Anti-Antifa” T-Shirts wird toleriert und auch bekannte NPD-Kader können sich hier ungestört bewegen. Es gibt auch Gruppen, die hier geschlossen im rechtsextremen Kameradschaftsoutfit (z.B.: „Kameradschaft Hanau” in Verbindung mit der JN) auftreten.
Der Grund für die vermehrt auftretenden rechtsextremen Provokationen ist einfach: Die nahe Kaserne der US-Army in Friedberg wurde geschlossen und die GI´s, die vormals einen Großteil des Publikums ausmachten, fehlten fortan. Scheinbar waren auch sie es, die für die Neonazis eine Art Abschreckung darstellen, bzw. haben sie dafür gesorgt, dass entsprechendes Publikum im Black Inn überhaupt nichts zu suchen hat. Die folgende Zeit war geprägt von einigen kleineren Nazi-Grüppchen, die sich immer wieder in den Laden verirrt hatten (Wie dies leider in sehr vielen Metal-Läden vorkommt) die sich dort jedoch nicht festsetzen konnten. Seitdem verfolgen verschiedene Rechte die Taktik dort in großen Gruppen aufzutauchen.
Wir, als die aktiven AntifaschistInnen, die diese Zustände nicht hinnehmen wollen, können und werden, versuchten erst über Gespräche mit dem Personal eine Sensibilisierung für das Problem und Veränderungen herbeizuführen. Bis jetzt erfolglos. Außer wenigen DJ´s aus oben genannten Sub-Kultur-Kreisen, die als Zeichen des Protestes dann zumindest Lieder gegen Rechts auflegten, reagieren andere MitarbeiterInnen nicht auf die neue Art von Kundschaft. Oft musste festgestellt werden, dass Teile des Personal, von der Theke bis zu den „Aufpassern” die Rechten ignorierte oder zumindest rein gar nichts dagegen einzuwenden hatte, dass diese dort seien, weil man ja tolerant sei.
Je mehr Zeit verstrich, desto prekärer wurde die Situation. Heute ist es oft nicht mehr möglich das „Black Inn” ohne auf Neonazis oder deren Freunde zu stoßen zu besuchen. Das gesponnene Netz der Neonazis ist zu breit gefächert und reicht von rechten Gothics bis hin zu angeblich unpolitischen Skinheads(Anmerkung: Wir sprechen hier von rechtsextremen Skins, nicht von Skinheads an sich). Andere sich alternativ gebende Jugendliche/BesucherInnen sehen keinen Grund zum Eingreifen oder zum Protest bei den Verantwortlichen(Update: Wir sind jedoch auch sicher, dass die allermeisten BesucherInnen des Inns keine Lust auf Nazis haben und gehen davon aus, dass sich viele BesucherInnen mit in die Debatte einmischen werden. Wir fühlen uns durch die sehr vielen positiven Rückmeldungen in unserem Vorgehen bestätigt). Die wöchentlich anwesende Zahl von Personen aus der extrem rechten Szene und deren Sympathisanten hat sich bei bis zu 2 Dutzend eingependelt, wobei anzumerken ist, dass es sich dabei neben Vetretern der NPD um Mitglieder/Mitläufer einer Security-Firma(Gemeint ist der „Unsicherheitsdienst” mit Sitz in Echzell-Gettenau)* handelt, die mit entsprechender Kampferfahrung und mehrfach unter Beweis gestellter Gewaltbereitschaft sicherlich nicht ungefährlich ist.
Die letzten aktiven AntifaschistInnen, die es nicht wahrhaben wollen, was aus diesem Laden geworden ist und ihn als Ort alternativer Kultur in der Wetterau betrachten und ihn deswegen nicht aufgeben wollen und können, sehen sich vermehrt Drohungen ausgesetzt, die aufgrund der letzten Ereignisse in der Wetterau bitter ernst genommen werden müssen.
Da das Geld wieder vor Vernunft zu walten scheint(Laut Brecht kommt ja erst „das Fressen und dann die Moral”) und die Mehrheit der BesucherInnen und des Personals ihre Apathie gegenüber der rechtsextremen Bedrohung mehr als deutlich unter Beweis stellt, kann eine Veränderung des „Black Inns” von Außen für schwierig angesehen werden. Sollte bei den BesucherInnen kein Umdenken stattfinden und die Betreiber des “Black Inns” nicht endlich reagieren, wird dies auch sicherlich einen starken Einfluß auf das Ausgehverhalten vieler Menschen haben.(Update: Wir hoffen, nach gestern äußerst positiv geführten Gesprächen auf eine Änderung der Ladenpolitik und ein klares Statement des Betreibers/der MitarbeiterInnen gegen Rechtsextremismus. Dieses würden wir mit konstruktiven Hilfestellungen unterstützen.)
Die einzig sichere Alternative ist die Errichtung eines selbstverwalteten Jugendkulturzentrums in der Wetterau, einem Raum ohne Rassismus, Sexismus, Ausgrenzung und den alltäglichen „Deutschen Zuständen”. Diese Option erscheint als letzte Möglichkeit einen öffentlichen Bereich zu schaffen, in dem die antifaschistische Wetterauer Jugendkultur gepflegt werden kann und es wieder möglich ist, ohne rechtsextreme Provokationen auszugehen. Wir als Antifaschistische Bildungsinitiative e.V. haben deshalb Ende 2009 die AG „Juz Wetterau” initiiert. Diese ist unter www.juz-wetterau.de zu finden. Der dort veröffentlichte Text ist noch kein abschließend diskutiertes Grundsatzpapier, jedoch schon einmal eine gute Grundlage. Die Flyer können per e-Mail bei uns bestellt werden.
Was tun?
Wir werden nun öffentlich mit den Betreibern des „Black Inns” in Verbindung treten und die Diskussion suchen, sowie die BesucherInnen über die Umtriebe im „Black Inn” informieren. Hierzu werden wir auch mit den politischen Vertretern sowie einer breiten Öffentlichkeit gemeinsam agieren.
Wir fordern:
Eine Klarstellung seitens des Betreibers
Kein Zutritt für bekannte Neonazis/rechtsextreme Gruppen ins Black Inn
Schwarz statt braun
Zur Klarstellung: Die Kritik von uns am Black Inn lautet nicht, dass das Inn ein Nazi-Laden ist. Die Kritik von uns ist die, dass immer mehr rechtsextreme dort auflaufen und sich mit entsprechenden T-Shirts dort ungestört bewegen können.
Dieser Text wird bis zum Wochenende weiter ergänzt werden.
* Diese waren zuletzt am Freitag, den 12.02.2010 mit geschätzt 10 Personen, davon viele im “OB”-Gruppen T-Shirt im Black Inn. An diesem Abend waren wir schon auf dem Weg nach Dresden um gemeinsam mit über 15.000 AntifaschistInnen den größten rechtsextremen Aufmarsch in Europa zu verhindern.